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«Ich bin diejenige, die Unmengen Seewasser filtriert»

Jennifer Hüpeden mit einem Wasserschöpfer.

 

 

 

 

Nach der Schule stand für mich fest, dass ich etwas 'Grünes' studieren und mit Organismen arbeiten will. Ich bin recht naturnah aufgewachsen und darum war die Entscheidung für ein Biologiestudium schnell gefasst. Die Kleinsten, nämlich die Bakterien und Pilze, haben es mir angetan und nach meiner Diplomarbeit, bei der ich über krankheitserregende Bakterien geforscht habe, war mir endgültig klar: Ich bleibe in der Mikrobiologie.

 

Zwischen Studium und Doktorarbeit wollte ich jedoch erst einmal reisen. Ein Jahr lang habe ich mich in Südamerika umgeschaut. Am besten gefiel es mir in Bolivien, da das Land sehr divers ist und es dort für Naturfreunde viel zu entdecken gibt. Vor allem hat mich die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt beeindruckt.

 

Methodisch interessant und ökologisch relevant soll das Thema meiner Doktorarbeit sein. Mein Projekt hier am Stechlinsee erfüllt beide Kriterien. Mit modernen molekularbiologischen Methoden untersuche ich, wie die Freiwasserbakterien auf den Klimawandel reagieren. Denn es ist wahrscheinlich, dass sich auch die bakteriellen Lebensgemeinschaften verändern werden. Das möchte ich dokumentieren.

 

Ich bin diejenige am Institut, die Unmengen Seewasser filtriert, um die darin enthaltenen Bakterien auf Filtern aufzufangen. Bis hierhin eine ziemlich monotone Arbeit, spannend wird es erst, nachdem die Bakterien-DNA aufgearbeitet und sequenziert ist. Mich dann durch die Sequenzdaten zu wühlen, und herauszubekommen, welche Bakterienarten im Wasser vorkommen und ob sie untereinander verwandt sind, das mache ich total gerne. Am Ende steht ähnlich wie in der Familienforschung ein Stammbaum. Das ist ein Aspekt meiner Arbeit. Ein anderer ist die Frage: Wer macht was bei den Bakterien? Auch das schaue ich mir anhand der Sequenzdaten an. Durch Vergleich mit bereits bekannten Genen kann ich darauf schließen, welche Funktionen – oder anders gesagt, welche 'Berufe' – die einzelnen Bakterienarten in der mikrobiellen Gesellschaft haben.

 

Als ich das erste Mal vom Seelabor gehört habe, fand ich die Idee gleich ganz toll. Im Freiland den Einfluss des Klimawandels simulieren zu können – das sind wichtige Experimente! So können wir die Organismen unter veränderten Bedingungen und dennoch in ihrem natürlichen Umfeld untersuchen.

 

Jennifer Hüpeden

hat an der Universität Göttingen Biologie studiert. Seit August 2011 arbeitet die Doktorandin in der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Hans-Peter Grossart am IGB Stechlin. Ihre Dissertation führt sie im Rahmen des Projekts «TemBi – Klimagetriebene Veränderungen der Biodiversität von Mikrobiota» durch, das die Leibniz-Gemeinschaft finanziert.