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Geschichte des Sees

Eisige Zeiten am Stechlin. © M. Feierabend

Die Entstehung des Stechlinsees ist eng mit der Inlandvereisung und dem Rückzug der Gletscher am Ende der Weichselkaltzeit vor etwa 12.000 Jahren verbunden. Bis zu 1.000 Meter mächtig, formten die gewaltigen Eismassen im norddeutschen Tiefland ein abwechslungsreiches Relief aus ebenen Sanderflächen, welligen Grund- und hügeligen Endmoränen sowie zahlreichen Seenbecken.

 

Nach der letzten Eiszeit entwickelten sich der Stechlinsee und die umgebende Landschaft zunächst abhängig von den klimatischen Verhältnissen. Später gewannen menschliche Aktivitäten mehr und mehr Einfluss: Großflächige Rodungen und der Bau künstlicher Zu- und Abläufe hatten starke Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und damit auch auf die Artenvielfalt im Gebiet.

 

In den 1930er Jahren wurde der Stechlinsee erstmals unter Schutz gestellt. Heute gehört ein Areal von mehr als 8.000 Hektar rund um den Stechlinsee zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Es ist außerdem Teil des europäischen Natura-2000-Schutzgebietsnetzes (siehe Infobox). Bedrohte Arten wie der Juchtenkäfer, die Mopsfledermaus, der Fischotter und die Europäische Sumpfschildkröte werden hier geschützt – und ihre Lebensräume dauerhaft erhalten. 

Erwärmung durch das KKW

Das stillgelegte KKW Rheinsberg mit dem Stechlinsee im Hintergrund. © EWN

Von 1966 bis 1990 wurde das Kernkraftwerk Rheinsberg nah am Stechlinsee betrieben. Durch dessen äußeren Kühlkreislaufes flossen täglich bis zu 300 Millionen Liter Wasser, die dem benachbarten Nehmitzsee entnommen wurden. Um etwa 10 Grad Celsius erwärmt, gelangte dieses Kühlwasser anschließend in den Stechlinsee. Die Auswirkungen dieser Wärmebelastung wissenschaftlich zu begleiten war der Gründungsauftrag des damaligen Forschungsinstituts am Stechlinsee, das jetzt zum IGB gehört. Die Forscher registrierten nicht nur höhere Wassertemperaturen bis weit in die Tiefe des Stechlinsees, sondern auch eine verschlechterte Wasserqualität mit deutlichen Eutrophierungszeichen.

 

Auch fast 25 Jahre nach Ende der künstlichen Wärmebelastung ist der Zustand des Sees nicht wieder wie zuvor: So nimmt seit den 1990er Jahren die Biomasse planktischer Algen im See signifikant zu. Noch lässt sich nicht sicher sagen, ob dies eine Langzeitfolge des Kernkraftwerksbetriebs ist. Eine Vermutung der IGB-Forscher ist, dass aus dem Sediment vermehrt Nährstoffe für das Algenwachstum freigesetzt werden.

 

Naturschutz kennt keine Ländergrenzen

Ziel des EU-Projekts Natura 2000 ist es, für gefährdete Arten und Lebensräume in der Europäischen Union ein zusammenhängendes Netzwerk von Gebieten unter Schutz zu stellen. Die wertvollsten Flächen für bedrohte Arten oder Lebensraumtypen werden dafür ausgewählt. In Deutschland sind bisher 14 % der Landesfläche und 31 % der Meeresfläche gemeldet. Damit sollen typische Natur- und Kulturlandschaften wie Buchenwälder, Heideland oder Gewässer wie der Stechlinsee dauerhaft erhalten und die biologische Vielfalt darin geschützt werden.