News zum Projekt ILES

09/2018

Licht oder Schatten

Serbische Forscherin am Stechlinsee ... [»]

08/2018

Seelabor mit Fischen besetzt

Je 5 kleine Barsche pro Versuchszylinder erobern ihr neues Refugium ... [»]

Pressekontakt

Dr. Martina Bauchrowitz 
(Öffentlichkeitsarbeit Seelabor)

Tel.: +49 (0)151 40 38 09 62

seelabor@igb-berlin.de

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ILES – Seeökosysteme erleuchten

Licht ist ein Schlüsselelement, durch das Ökosysteme und biologische Gemeinschaften strukturiert werden. Seit Einführung der Glühlampe im späten 19. Jahrhundert und der daraus folgenden dramatischen Zunahme künstlicher Beleuchtung hat sich das natürliche Lichtregime jedoch stark verändert. Betrachtet man die letzten Jahrzehnte, zeigt sich, dass die Lichtemission im globalen Mittel um 3 bis 6 Prozent pro Jahr, vereinzelt sogar um bis zu 20 Prozent anstieg – schneller als etwa die globale Wirtschaft, die Weltbevölkerung oder die Emission des klimawirksamen Treibhausgases Kohlendioxid. Dieser "Verlust der Nacht" betrifft alle industrialisierten Regionen der Welt und ist somit ein weiteres Element des vom Menschen verursachten globalen Umweltwandels.

 

Auch Seen können von Lichtverschmutzung betroffen sein – die Uferbereiche durch direkte Beleuchtung, das offene Wasser aber vor allem durch einen diffus aufgehellten Nachthimmel. Dieses Phänomen des Himmelsleuchtens (engl. skyglow) tritt bei Bewölkung über Gebieten mit künstlicher Beleuchtung (z.B. Städte, Gewächshäuser) auf: Das in den Nachthimmel abgestrahlte Licht wird von den Wolken wieder in Richtung Erde zurückgestreut, so dass die Wolken wie ein glühendes Gewölbe am Himmel erscheinen. Zwar ist die Intensität des Himmelsleuchtens im Vergleich zu direktem Licht gering. Aber anders als bei punktuellen Lichtquellen wie z.B. Straßenlaternen erstreckt sich das Himmelsleuchten über sehr große Flächen und kann sich damit auch auf Seen und die darin lebenden Organismen auswirken. Die Folgen des Verlusts der Nacht für das Ökosystem und die Biodiversität sind weitgehend unbekannt, könnten aber erheblich sein.

 

Im Projekt «Seeökosysteme erleuchten – ILES» wollen wir herausfinden, welche ökologischen Konsequenzen diese Lichteffekte haben und welche Mechanismen ihnen zugrunde liegen. Die Experimente werden am Seelabor durchgeführt, wo das Himmelsleuchten mithilfe eines speziell entwickelten Lichtsystems in 10 Versuchszylindern simuliert wird. Wir erwarten, dass die neuen Lichtverhältnisse die Physiologie und das Verhalten von Schlüsselarten beeinflussen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Wasserflöhe und andere Vertreter des Zooplanktons. Sie zeigen ein tagesperiodisches Wanderverhalten: tagsüber verstecken sie sich im dunklen Tiefenwasser vor ihren Fraßfeinden, den Fischen, und nachts wandern sie im Schutz der Dunkelheit ins Oberflächenwasser, um dort die Algen abzuweiden. Ein verändertes Wanderverhalten aber würde die Wechselwirkungen zwischen den Organismen im Nahrungsnetz und damit auch die Stoffflüsse in Seen verschieben. Unsere Ergebnisse versprechen sowohl grundlegend neue Erkenntnisse zur Wirkung von nächtlicher Beleuchtung auf Seen als auch Hinweise, die für das Gewässermanagement bedeutsam sind.

  • Leitung:
    Prof. Dr. Mark Gessner and PD Dr. Franz Hölker
  • Laufzeit:
    07/2015 — 06/2018
  • Förderung:
    Leibniz Gemeinschaft

 

Foto: Skyglow über Los Llanos auf der kanarischen Insel La Palma.
© Martina Bauchrowitz, IGB