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Von München über Bergen und Savannah nach Neuglobsow an den Stechlinsee

Stella Berger mit einem Lichtmessgerät. © IGB

Nun bin ich als überzeugte Oberbayerin also doch nördlich des Weißwurst-Äquators gelandet. Dass der Norden sehr viel zu bieten hat, war mir schon während meiner Doktorarbeit aufgefallen. Damals im Jahr 2001, habe ich nämlich 45 Seen in Schleswig-Holstein untersucht und sie mit 25 Seen in Bayern verglichen. Ich wollte wissen, wie sich verschiedene Umwelteinflüsse auf die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse in Seen auswirken. Dieses Thema hat mich seither nicht mehr losgelassen.

 

Ein Seenvergleich ist eine Möglichkeit, Antworten auf diese Frage zu bekommen. Eine andere ist, experimentell in sogenannten Mesokosmen wie dem Seelabor zu arbeiten. Darin kann man bestimmte Umweltfaktoren kontrolliert verändern und die Reaktion der Gewässerorganismen untersuchen. Seit 1997 forsche ich mit Hilfe solcher Mesokosmen am Plankton, sowohl im Süßwasser als auch im Meer. Aber immer waren die Anlagen wesentlich kleiner als das Seelabor. Hier am IGB Stechlin erreicht die Forschung mit Mesokosmen eine neue Dimension: die Größe, Anzahl, und Ausstattung der Versuchseinheiten ist zukunftsweisend. Da war es nur konsequent, mich nach Stationen in Norwegen an der Universität Bergen und in Amerika am Skidaway Institut für Ozeanographie in Savannah für die Stelle als Seelabor-Managerin zu bewerben.

 

Ich bin verantwortlich für das reibungslose Funktionieren des Seelabors, wobei ich mich einerseits als Bindeglied zwischen dem Labor und den Wissenschaftlern sehe: welche Proben sollen genommen, und welche Analysemethoden verwendet werden. Anderseits bin ich aber auch daran interessiert, eigene Fragestellungen zu beantworten. Dabei liegt mir besonders das Photosynthese-treibende Phytoplankton und dessen Interaktionen mit dem Zooplankton am Herzen. Wird sich die Zusammensetzung der Phytoplankton-Gemeinschaft im Zuge des Klimawandels verändern? Wird es insgesamt vermehrt Algenblüten geben? Passen sich die Organismen an den Klimawandel an?

 

Ja, ich habe den richtigen Beruf gewählt. Man reist viel, kommt mit interessanten Leuten zusammen und es ist eine gute Kombination aus Büro, Labor und Natur. Das gefällt mir! Und die Natur ist hier besonders schön: eine Landschaft mit Wäldern, unberührten Seen und wenig Leuten findet man in Deutschland so doch kein zweites Mal. Als aquatische Ökologin bin ich inmitten all der Seen und am gut ausgestatteten IGB bestens aufgehoben. Und bayerisches Bier und Brez’n gibt es hier schließlich auch mancherorts…

Stella Berger

hat am 21. März 2014 die Stelle als Seelabor-Managerin am IGB Stechlin aufgenommen. Seit Anfang 2016 ist sie nun Wissenschaftliche Koordinatorin des Seelabors und Leiterin der Gruppe «Experimentelle Planktonökologie» mit Fokus auf das Phytoplankton. Während ihrer Doktoranden- und Postdoktorandenzeit forschte sie an der Universität München (LMU), bevor sie 2009 an die Universität Bergen in Norwegen ging, um sich im EU-Projekt MESOAQUA (Forschungszusammenschluss der führenden marinen Mesokosmos-Anlagen Europas) zu engagieren. Zwischen 2011 und 2014 arbeitete die Wissenschaftlerin am Skidaway Institut für Ozeanographie in Savannah, Georgia, USA.