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Leben im See

Der Stechlinsee zählt zu den nährstoffarmen Gewässern. Entsprechend gering ist die Primärproduktion – also der Aufbau von Biomasse durch photosynthetisch aktive Organismen – in der Freiwasserzone. Hier bilden mikroskopisch kleine, im Wasser schwebende Algen und Cyanobakterien (Blaualgen) das sogenannte Phytoplankton. Es ist die wichtigste direkte oder indirekte Nahrungsquelle für alle anderen Organismen im See, zu denen sowohl Algen fressende als auch räuberisch lebende Zooplankter, Wasserinsekten, Schnecken, Muscheln sowie Fische gehören. Abgestorbene Organismen und gelöste organische Substanzen werden von Mikroorganismen, vor allem Bakterien und Archaeen, zersetzt. Mineralische Nährstoffe werden dadurch wieder freigesetzt und den Primärproduzenten erneut verfügbar gemacht.

 

Aufgrund seiner hervorragenden Wasserqualität ist der Stechlinsee ein klassischer Maränensee. Die Kleine Maräne (Coregonus albula) macht fast 90 % des gesamten Fischbestands aus. Eine Besonderheit ist die nach Theodor Fontane benannte Fontane-Maräne (Coregonus fontanae), die weltweit nur im Stechlin vorkommt.

 

Im Uferbereich des Stechlinsees finden sich ausgedehnte Bestände von Wasserpflanzen. Charakteristische Arten sind Armleuchteralgen und Laichkräuter. Sie wachsen im lichtdurchfluteten See teilweise mehrere Meter tief unter der Wasseroberfläche und reichern ihn mit Sauerstoff an. Viele Wasservögel, z.B. die Krickenten, ernähren sich von den Wasserpflanzen. Andere Wasservögel dagegen leben von tierischer Nahrung. Dazu gehört auch die Schellente, das Wappentier des Naturparks Stechlin/Ruppiner Land. Diese scheuen Vögel brüten in Höhlen von ufernahen Bäumen. Sie gelten als Sinnbild für die enge Verzahnung des Seeökosystems mit den umgebenden Wäldern.

Im Fokus: Das Plankton

Mehr als 200 Arten photosynthetisch aktiver Planktonorganismen sind im Stechlinsee zu finden. Hinzu kommen zahlreiche Vertreter des tierischen, bakteriellen und viralen Planktons (Zoo-, Bakterio- und Virioplankton). Wegen ihrer großen Bedeutung für das Seeökosystem stehen diese Organismen im Fokus der IGB-Forschung. Ändern sich die Umweltbedingungen, werden auch die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft und die im See ablaufenden Prozesse beeinflußt. Die Organismen gelten daher als wichtige Indikatoren für den Zustand des Ökosystems.

Gewinner und Verlierer des Klimawandels

Cyclotella tripartita

Im Stechlinsee finden sich einige seltene Arten zentrischer Kieselalgen (Diatomeen). Zur kühlen Jahreszeit können sie den Hauptteil der Biomasse ausmachen. So bildet Stephanocostis chantaicus unter Eis große Populationsdichten, während Cyclotella tripartita das Frühjahrsplankton dominiert. Diese Kaltwasserformen könnten durch eine Klimaerwärmung gefährdet werden.

Eurytemora lacustris

Ein weiterer Verlierer könnte der Ruderfusskrebs Eurytemora lacustris sein. Das Eiszeitrelikt liebt kalte, tiefe, sauerstoffreiche Seen – Bedingungen, die es hier im Stechlinsee, ihrem südlichsten Verbreitungspunkt, derzeit noch findet.

Cyanobakterium Anabaena

Das Cyanobakterium Anabaena könnte zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Cyanobakterien kommen bei steigenden Temperaturen auf. Zudem mehren sich die Hinweise, dass gerade die giftigen Formen vom Klimawandel begünstigt werden. Cyanobakterien sind photosynthetisch aktive Organismen. Wegen ihres blauen Pigments, Phycocyanin, werden sie auch als „Blaualgen“ bezeichnet.

Phacotus lenticularis

Auch die begeisselte Grünalge Phacotus lenticularis könnte vom Klimawandel begünstigt werden. Sie tritt verstärkt in Gewässern auf, wenn der Nährstoffgehalt klimabedingt ansteigt. Phacotus trägt aber auch dazu bei, Nährstoffe wieder im Sediment festzulegen: Denn an ihrem Panzer absorbiert Phosphat, was nach Absterben der Zellen in nahezu unlösbarer Form mit den Kalzithüllen ins Sediment transportiert wird. Phacotus tritt derzeit nur sehr vereinzelt im Stechlinsee auf.