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Montag, 10.08.2015

«Als Lichtphysiker habe ich bisher meist in abgedunkelten und sterilen Labors gearbeitet»

Portrait Andreas Jechow

Nach seinem Postdoc-Aufenthalt an der Universität von Brisbane in Australien stand Andreas Jechow Ende 2012 durch Zufall vor dem Seelabor-Modell im Stechlinsee-Center und war gleich fasziniert von der Anlage und dem Konzept dahinter. Nun, drei Jahre später ist er Teil des Seelabor-Teams und untersucht die Lichtverhältnisse in den Versuchszylindern.

«Das ist ja eine tolle Anlage, die die da gebaut haben; die sind viel draußen und können dort ihre Forschung machen!» Andreas Jechow erinnert sich noch ganz genau, was er zu seiner Frau sagte, als sie Ende 2012 nach ihrer Rückkehr aus Australien vor dem Seelabor-Modell im Stechlinsee-Center standen. Bis dahin hatte der Outdoorfreak und studierte Physiker mit Spezialisierung auf optische Verfahren meist in abgedunkelten und sterilen Labors gearbeitet. Durch Zufall sah er dann Anfang 2015, dass für das Seelabor ein Physiker gesucht wurde. Und obwohl es nicht mit dem zusammenpasste, was er eigentlich vorhatte, bewarb er sich auf die Stelle und wurde genommen. «Das ist», so sagt er, «mal ein neuer Horizont, eine neue Herausforderung. Hier kann ich meine Passion, dass ich gerne in der Natur bin, mit meinem Beruf zusammenbringen.» Und überhaupt stehe seine Arbeit hier im globalen Kontext des Umweltwandels und sei relevant für die "normale Menschheit" und nicht irgendwas Abgefahrenes wie die Quantenzustände von Atomen, wo alle Leute sagen: Was wollen wir denn damit?

 

Am Seelabor untersucht er mit diversen Spektrometern, wie sich Licht welcher Wellenlänge in den unterschiedlich behandelten Versuchszylindern ausbreitet und welche Spektralfarben von ihnen emittiert werden. Man müsse sich das so vorstellen, erklärt er: «In die Versuchszylinder haben wir unterschiedliche Mengen an Huminstoffen eingemischt. Je mehr, desto brauner erscheint uns das Wasser, weil es durchlässig ist für Licht im roten Bereich, während Licht anderer Wellenlängen im Wasser absorbiert oder gestreut wird. Dagegen ist das Wasser in den Versuchszylindern ohne Huminstoffe und im Stechlinsee selbst durchlässig für Licht im grünen Bereich. Deshalb erscheint uns das Wasser auch blau-grünlich.»

 

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Zwei Forschungsziele hat sich Andreas Jechow gesetzt. Zum einen interessiert ihn, wie die Organismen damit umgehen, wenn bestimmte Spektralbereiche wie der grüne in den huminstoffhaltigen Versuchszylindern fehlen. Zum anderen arbeitet er mit Fernerkundern zusammen, die von Satelliten oder Flugzeugen aus, die gleichen Parameter mit anderen Geräten messen. Die Idee ist, die in Satelliten bzw. Flugzeugen genutzten Messgeräte mit seinen Spektrometern zu kalibrieren. Wenn das gelingt, könnte es künftig möglich sein, mittels Fernerkundung noch besser von der von einem See emittierten Farbe auf den Gehalt an gelösten Stoffen oder auf die Algen schließen zu können. Das diesjährige Experiment am Seelabor mit den vielen unterschiedlich behandelten Versuchszylindern auf so engem Raum, bei dem zahlreiche biologisch relevante Parameter erfasst werden, biete für diese Art Forschung beste Voraussetzungen.

 

Andreas Jechow gerät ins Schwärmen, schaut gen Himmel und zückt sein Smartphone. Eigentlich wollte er heute noch weitere Messungen machen, aber – er streicht hastig über den Display und öffnet die Wetter-App – die Sonne lässt ihn wohl im Stich. Schließlich brauche er einen klaren Himmel, wenn er misst. Doch morgen in aller Frühe könne es klappen. Deshalb muss er jetzt los, noch etwas an seinen Geräten basteln, damit morgen Alles startklar ist.

 

Andreas Jechow

arbeitet seit Mai 2015 am IGB und ist Gastwissenschaftler am Geoforschungszentrum in Potsdam, wo er auch in der Gruppe Fernerkundung von Luis Guanter sein Büro hat. Bis 2006 studierte er Technische Physik und Photonik an der Fachhochschule Brandenburg und schloss 2009 seine Doktorarbeit zum Thema Lasertechnik an der Universität Potsdam ab. Während seiner Postdoc-Zeit an der Universität von Brisbane in Australien ging er in die Grundlagenforschung und untersuchte, wie man einzelne Atome bei ultrakalten Temperaturen mit Lasern manipulieren kann.

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