Pressekontakt

Dr. Martina Bauchrowitz 
(Öffentlichkeitsarbeit Seelabor)

Tel.: +49 (0)151 40 38 09 62

seelabor@igb-berlin.de

Start > Medien > News > News Detailanzeige

Montag, 29.06.2015

«Als Teil eines großen Teams an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, ist äußerst befriedigend!»

Postdoc Darren Giling am Photometer

«Das diesjährige Experiment am Seelabor ist sehr ehrgeizig», sagt Darren Giling, Postdoktorand am IGB Stechlin. Sind doch im letzten Jahr nur 8 im Gegensatz zu nun 21 Versuchszylindern betrieben worden. Da ist der Australier eine wichtige Stütze im mehr als 60 Wissenschaftler umfassenden Team, die das Seelabor-Experiment 2015 gemeinsam durchführen. Wird Hilfe gebraucht, ist er stets zur Stelle und teilt seine Erfahrungen gerne mit den Neuen im Seelabor-Team.

Wie sieht ein Probenahmetag auf dem Seelabor für Darren Giling aus? Am Morgen beteiligt sich der Gewässerforscher zunächst an einem von drei Beprobungsteams. Sie nehmen in den einzelnen Versuchszylinder integrierte Wasserproben aus 0 bis 7 m und 7 bis 15 m Tiefe. Im Anschluss daran geht es zurück ins Labor, wo er sich seinen eigenen Untersuchungen widmet.

 

tl_files/Team/Giling Darren_Tube sampling_01.jpg

 

Darren Gilings Augenmerk liegt auf der organischen Substanz und dem Kohlenstoff-Umsatz in den manipulierten Versuchszylindern. Dies ist besonders wichtig, denn zu Beginn des Seelabor-Experiments 2015 haben die IGB-Forscher die Konzentration des gelösten organischen Kohlenstoffs (DOC = dissolved organic carbon) erhöht. Die Idee ist, den verstärkten Eintrag von DOC aus Böden in die Seen nach schweren Regenfällen zu simulieren – eine Situation, mit der im Zuge des Klimawandels vermehrt zu rechnen ist. Das so eingetragene DOC enthält zum großen Teil Huminstoffe mit hohem Molekulargewicht, die für die Gewässerbakterien nur schwer verwertbar sind. Im Gegensatz dazu ist das DOC, das bei der Photosynthese durch die Algen im Gewässer entsteht, viel leichter verfügbar. Allerdings können sich durch die Braunfärbung des Wassers aufgrund der Huminstoffe dramatische Auswirkungen auf die Photosynthese ergeben. Das sind die Gründe, warum Darren gemeinsam mit seinem Kollegen Jeremy Fonvielle, Doktorand am IGB Stechlin, mehr über die DOC-Zusammensetzung erfahren sowie denjenigen Anteil des DOC charakterisieren will, der durch die aquatische Bakterien genutzt wird. Das DOC in den gefilterten Wasserproben wird daher sowohl mithilfe eines Spektralphotometers als auch eines Fluoreszenz-Spektralphotometers analysiert.

 

Darüber hinaus kümmert sich Darren Gilling gemeinsam mit Armin Penske, dem verantwortlichen Seelabor-Techniker, und dem Studenten Malte Zamzow um den reibungslosen Betrieb des automatischen Messsystems: In jedem Versuchszylinder zeichnen drei verschiedene Sonden, die auf einem Profiler stündlich durch die Wassersäule fahren, eine Reihe von limnologischen Standardparametern (Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Redoxpotential, Leitfähigkeit, Trübung und Lichtintensität) auf. Der Qualitätscheck der Daten ist die eine Seite von Darrens Arbeit. Außerdem nutzt er die Sauerstoffdaten für seine Forschung. Damit will er abschätzen, wie viel Sauerstoff durch die Photosynthese im Gewässer entsteht und wie viel anschließend durch die Gewässerorganismen bei der Respiration wieder verbraucht wird. Sein Ziel ist es zu verstehen, inwieweit die Zugabe von DOC das Zusammenspiel von Produktion und Konsumption verändert.

 

"Wir haben viel Zeit in die Vorbereitung des diesjährigen Seelabor-Experiments gesteckt. Darum ist es wichtig, so viele Parameter wie möglich zu messen, um die biologischen Auswirkungen dann auch gut beschreiben zu können", sagt Darren Giling. Deshalb haben sich die Wissenschaftler ein ehrgeiziges Analyseprogramm vorgenommen. Es reicht von der Metagenomic bis hin zur Charakterisierung des Zooplanktonverhaltens. So erhofft sich das Seelabor-Team, ein vollständiges Bild darüber zu erhalten, wie sich erhöhte DOC-Einträge, die im fortschreitenden Klimawandel vermehrt erwartet werden, auf das Ökosystem See auswirken.

 

Darren Giling

arbeitet seit April 2014 im IGB Seelabor-Team. Als Ökologe und Biogeochemiker forschte er bereits während seiner Doktorarbeit an der Monash University in Melbourne über den Kohlenstoffkreislauf. Er untersuchte im Detail, inwiefern die Wiederanpflanzung von Ufervegetation den Umsatz organischer Substanz in Fließgewässern beeinflusst.

Zurück